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Standpunkte

Zur Bedeutung des Stressabbaus in der Evolution des Menschen

"Eine weitere, nicht unbedeutende Wirkung der Mensch-Hund-Bindung war jedoch der Stressabbau. Bessere und sicherere Nahrungsversorgung und höherer Schutz vor konkurrierenden Vier- und Zweibeinern ließen das Stressniveau sinken. Die Erfahrung eines positiven, ja innigen und vertrauensvollen Umgangs mit der anderen Spezies ließ ebenfalls den Stresslevel sinken und zudem, die Bindung und das Wohlbefinden stärkende Hormone wie Oxytocin, Serotonin oder Dopamin ausschütten. Wir wissen heute sehr genau, dass eine solche soziale Wohlfühlsituation positive Auswirkungen auf unsere gesamte intellektuelle und psychische Entwicklung und Leistungsfähigkeit und sogar unser Immunsystem hat, was letztlich auch die Fertilität von Individuum und Gruppe erhöht. Es gibt also einige gute Gründe für die These, dass die Zusammenarbeit mit dem Wolf und schließlich dem Hund ein wichtiger Meilenstein für die erfolgreiche Evolution unserer Spezies war."

aus: "Tierisch beste Freunde: Mensch und Hund - von Streicheln, Stress und Oxytocin" (zusammen mit Daniela Pörtl)

Der Hund stellt ein positives soziales Umfeld dar

"In uns heutigen Menschen ist das evolutionäre Erbe, sich als Teil der Natur zu verstehen, zwar weitgehend verschüttet, aber noch lebendig. Deshalb wirken eine malerische Landschaft oder eine friedlich grasende Rinder-Herde beruhigend. Beim Hund geht das noch ein Stück weiter. Er ist ein aktiver Sozialpartner, der unsere Nähe sucht, mit uns arbeiten, uns gefallen will. Der Hund mag uns, auch wenn wir wieder einmal zu spät nach Hause kommen oder irgendetwas falsch gemacht haben, wofür uns selbst unser menschlicher Partner schelten würde. Der Hund stellt keine Leistungsanforderungen für seine Zuneigung. Der Hund stellt - für uns unbewusst - ein positives soziales Umfeld dar. Und er ist ja auch real seit der Altsteinzeit ein elementarer Teil unserer Gemeinschaft, auf den wir uns immer verlassen mussten und auch konnten. Hirnscans der Uni Bonn geben Hinweise, dass dieses Vertrauen in uns auch heute noch archaisch verankert ist. Die Nähe eines Hundes tut uns psychisch und körperlich gut. Wir werden weniger krank und schneller gesund. Sogar unsere intellektuellen Leistungen werden positiv beeinflusst. Das ist inzwischen vielfältig und umfassend wissenschaftlich nachgewiesen."

Daniela Pörtl, Interview im Magazin hundeschau 02/2016 "Tierisch beste Freunde - Warum wir Hunde brauchen"

Wechselwirkung Hund - Mensch

"Der Hund ist ein Produkt des Menschen. Und vielleicht ist auch der Mensch ein ganz klein bisschen das Produkt des Hundes. Der Hund ist so eng auf den Menschen ausgerichtet, dass man ihm nur gerecht werden kann, wenn man diese enge Bindung an den Menschen auch würdigt. Das natürliche Biotop des Hundes ist nicht der Wald oder die Wildnis, es ist die menschliche Gesellschaft. Den Hund für sich genommen kann man nur hinsichtlich seiner Körperfunktionen erfassen. Und selbst das auch nur unvollkommen. Auch der Körper und seine Funktionen sind von seiner Rolle in der menschlichen Gesellschaft beeinflusst. Das Sozialverhalten, die Kommunikation und das Wesen des Hundes kann man ohne Einbeziehung und Verständnis des Menschen und der menschlichen Gesellschaft überhaupt nicht verstehen. Kynologe muss daher wesentlich den Menschen, seine Geschichte, seine Produktionsweise und seine gesellschaftlichen Strukturen mit betrachten."

aus: "Schwarzbuch Hund - Die Menschen und ihr bester Freund", 2009

Der Hund - Teil unserer Geschichte

"Jede Hunderasse repräsentiert ein Stück gemeinsamer Geschichte Mensch Hund. Jede einzelne Hunderasse ist ein Stück konkretes kulturelles Erbe. Jede Rasse gibt mit ihrem Wesen Zeugnis einer speziellen gemeinsamen Arbeit mit uns Menschen und damit auch von unserer eigenen Historie. So hat jede Hunderasse ihren besonderen, individuellen und einzigartigen Charakter und Reiz. ... Der Rassehund ist keine Modeerscheinung, keine Erfindung der letzten 100 Jahre, kein Ausdruck westlicher Dekadenz. Der Rassehund ist, lassen Sie es mich so sagen, ein integrales Element unserer eigenen Geschichte und das seit sehr langer Zeit."

aus: Redebeitrag zur Tagung der Zuchtverantwortlichen des VDH 5.11.2011 im Kongresszentrum Westfalenhallen Dortmund